Warum wir das Meditationskissen meiden: Die vier Fallen

Jahrhundertelang haben alte Kulturen Meditation benutzt, um spirituell zu wachsen und Erleuchtung zu erreichen, vor allem im Osten. Im Westen weiß man schon lange über die gesundheitlichen Vorteile des Meditierens: Es verbessert das Immunsystem, baut Stress, Angstgefühle und Depressionen ab und verlangsamt den Alterungsprozess. Die neue Hirnforschung untermauert dieses Wissen durch Studien.

Gründe, mit einem Meditationskissen zu meditieren.

Warum aber fällt es uns so schwer, 20 Minuten am Tag freizuhalten, obwohl wir die positive Wirkung dieser Zeit der Meditation auf den Rest des Tages kennen – jedenfalls theoretisch?

Ein Grund dafür ist, dass unser Gehirn viel Zeit damit verbringt, eine stabile Persönlichkeit aufzubauen, die es uns erlaubt, das tägliche Leben zu vereinfachen. Es möchte die Kontrolle behalten. Den Status Quo zu behalten erscheint einfach und sicher. Alte Gewohnheiten sind sehr schwer zu verändern. Es ist schwer aus alten Kreisläufen auszubrechen und biologisch gesehen ist es ein großer Kraftaufwand die Vernetzungen im Gehirn neu zu arrangieren, neue Synapsen und Neuronen zu entwickeln. Unterbrechungen alter Muster verursachen Angst durch das limbische System, welches in den primitiveren Regionen unseres Gehirns sitzt und nicht in den Frontallappen, welches die Wissenschaft so einfach durch Meditation zu verändern gedenkt. Das limbische System beherbergt Angst und Unsicherheit und sorgt dafür das alte Verhaltensmuster immer wieder an die Oberfläche kommen.

Gründe, nicht zu meditieren: Die vier Fallen

Der Grund, aus dem es so schwierig ist, zu meditieren, oder etwas zu tun, was den Grundzustand des Gehirns in Frage stellt, ist: Das durch Angst getriebene limbische System mag keine Veränderung! Mönche und Gurus der indischen Tradition haben dieses Verhalten bei sich und ihren Schülern jahrhundertelang erforscht und beobachtet. Aufgrund ihrer Beobachtungen der menschlichen Natur kennen sie vier Gründe, nicht zu meditieren. Sie nennen sie die vier Fallen. Je besser wir diese Fallen verstehen, umso größer ist die Chance, dass wir zumindest ein paar Minuten am Tag auf dem Meditationskissen verbringen.

Falle 1: Verleugnung

Die erste Falle ist Verleugnung. Wir wachen mit der Absicht zu meditieren auf; dann beginnen unsere Gedanken. „Der Tag heute wird nicht so schlimm sein, ich kann das Meditieren heute nochmal ausfallen lassen, ich fange morgen an.“ Verleugnung ist eine starke Strategie. Sie rechtfertigt das Hinauszögern von Neuem und ignoriert seine Wichtigkeit. Dabei kann es so schön sein, in Vorbereitung auf die Meditation das Sitzen auf dem Meditationskissen, eingewickelt in einer wärmenden Baumwollecke zu zelebrieren.

Falle 2: Verhandeln

Mit Disziplin begegnen wir der zweiten Falle: das Gehirn will die Kontrolle behalten – es schlägt uns etwas Besseres vor. „Ich werde mich morgen auf mein Meditationskissen setzen! Ganz bestimmt.“ Du stellst den Wecker, die Verhandlung geht weiter: „Ich schlafe gerade besonders gut, ein bisschen länger wird schon nicht schaden.“ Schließlich stehst du auf und setzt dich zum Meditieren hin. Und jetzt gibt es ein anderes Angebot! „Der Morgen ist so schön und frisch, das kommt selten vor – das sollte ich ausnutzen. Ich kann das mit Sport verbinden – vielleicht besser, als hier mit geschlossenen Augen einfach zu sitzen.“ Erinnere Dich: dein Gehirn will da bleiben, wo es sich auskennt – es möchte nichts Neues. Dabei kann es ebenso erfrischend sein, direkt nach dem Aufstehen und ein paar Sonnengrüßen auf der Yogamatte in Shavasana zu versinken.

Falle 3: Angst

Wenn Du in der Lage warst, die zweite Falle zu ignorieren und tatsächlich meditierst, taucht die dritte Falle auf: Angst. Deine Gedanken gehen in Ängste. „Habe ich den Herd angelassen? Ich geh mal schauen.“ „Oh, ich habe den Anruf bei … noch nicht gemacht! Der ist so wichtig.“ „Meine Beine tun weh. Das kann nicht gut für mich sein.“ Es gibt endlose Ängste, die dich vom Meditieren abhalten können.

Falle 4: Trennung

Wenn du es schaffst, die ersten drei Fallen zu umgehen, dann wird dir die letzte und stärkste Falle, begegnen: Trennung, soll heißen du trennst dich von deiner Absicht zu meditieren, die da heißen können: „..es ist doch nichts für mich“. Gedanken sehen etwas so aus: „Meditation ist nichts für mich, ich bin einfach anders.“ „Ich habe es probiert, es hilft mir nicht.“ „Ich bin halt ein anderer Körpertyp! (ersetze durch: Sternzeichen, Persönlichkeit).“ „Ich habe einfach zu viel zu tun, die Zeit habe ich nicht.“ „Vielleicht bin ich schon zu alt dafür!“

Viele von uns tappen in diese Fallen und bleiben darin hängen. Dann werden wir ein Leben lang davon abgehalten, spirituell zu wachsen und die Vorteile der Meditation selber zu erfahren. Gibt es einen Weg, diese Fallen zu umschiffen? Der erste Schritt ist immer, Bewusstheit zu erlangen. Am Abend vorher kannst du dir schon überlegen, wie eine der Fallen auftaucht und wie du damit umgehen könntest. Am Morgen setzt du dich einfach auf deine Yogamatte und dein Meditationskissen und meditierst. Du machst es zu einer Gewohnheit. Durch Wiederholen freundet sich das Gehirn mit dem neuen Ablauf an, es entwickelt eine neue, positive Gewohnheit. Wahrscheinlich wirst du hin und wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen. Gib nicht auf! Erinnere dich an die vier Fallen. Du wirst bemerken, wie gut dir deine neue Gewohnheit tut, wie sich deine Gesundheit und dein emotionales Leben verbessert.

4 Replies to “Warum wir das Meditationskissen meiden: Die vier Fallen

  1. Danke für diesen interessanten Beitrag zum Thema Meditation mit seinen 4 Fallen.
    Vor allem dem letzen Absatz kann ich beipflichten, denn wenn der innere Schweinhund vom ursprünglichen Feind zum Freund wird, hast du schon fast gewonnen.
    Weiterhin alles Gute und viel Erfolg!
    Walter Bracun

    1. Hallo Walter,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Regelmäßigkeit und Kontinuität sind der Antrieb, bis sich irgendwann eine angenehme und wohltuende Gewohnheit einstellt! Dann haben wir es fast geschafft und die inneren Widerstände überwunden.

  2. Sehr schöner Blog-Artikel. Für mich ist auch Gewohnheit ein entscheidendes Stichwort. Das hat bei mir zum Durchbruch geführt: Es wird meditiert, rain or shine 🙂 Ausnahmen gibt es natürlich schon, aber die bestätigen bekanntlich die Regel. Ein anderer Tipp, den ich irgendwo aufgeschnappt habe: Das Zeitlimit am Anfang ganz weit runterschrauben. Mit fünf Minuten anfangen. Oder zwei. Und sich dann “hocharbeiten”.

  3. …oder einfach statt morgens einfach abends meditieren! Für mich war und ist der Morgen kein passender Zeitpunkt für Meditation und stilles Sitzen. Mein Körper und Geist sehnt sich nach Anregung, Bewegung, Input – da ist Meditation (oder für mich eher das kontemplative Gebet) eher kontraproduktiv. Daher habe ich stattdessen den Abend bzw. die Nacht gewählt. Für mich persönlich der schönste Zeitpunkt des Tages die halbe Stunde vorm Schlafengehen. Zeit zur inneren Sammlung, Reflektion, Zweisprache mit mir und der Welt und Gott. Ich freue mich jeden Tag auf diese Zeit, das stille Sitzen, meditieren und den Tag damit zu beenden und die Nacht zu begrüßen. So ist jeder und jede Meditierende in seiner und ihrer Tradition und passenden Form anders und das ist schön.

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